Einwendungen Bebauungsplan

Der Bebauungsplan „Locher Wiesen“ soll am 30. Januar 2014 im Planungsausschuss und am 25. März 2014 im Rat abschließend beraten werden. Die Stellungnahmen der Bürger, der öffentlichen Träger und die Abwägung der Langenfelder Stadtverwaltung findet man im Ratsinformationssystem der Stadt Langenfeld über folgenden Link:

http://87.106.2.115:8080/ratsinfo/langenfeld/Proposal.html?select=2147

Interessant ist die Stellungnahme „Bürger Nr. 22“ und die dazugehörige Abwägung der Langenfelder Stadtverwaltung. Aus den Anlagen ist ersichtlich, dass betroffene Eigentümer nunmehr eine Anwaltskanzlei eingeschaltet haben, die massive Einwendungen erheben und langwierige Rechtsstreitigkeiten ankündigen, wenn die Grundstücke ihrer Mandanten wegen des Biotop-Schutzes nicht bebaut werden können. Sie verweigern die Bereitstellung der für das Regenrückhaltebecken erforderlichen Flächen, wenn ihnen nicht im Gegenzug mehr Flächen als Bauland zugestanden werden. Die Anwälte gehen davon aus, dass wegen der daraus resultierenden Rechtsstreitigkeiten eine Umsetzung des Bebauungsplans in den nächsten 10 Jahren nicht zu erwarten sei.

Hier meine Einwendung:

Referat Stadtplanung und Denkmalschutz

Betreff: Einwände, Anregungen zum Bebauungsplan RE 54 Barbarastraße/Locher Weg

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (www.lanuv.nrw.de) hat den gesamten Bereich der Locher Wiesen (nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz bzw. nach § 62 Landschaftsgesetz NRW) als schutzwürdiges Biotop (Objektkennung:BK-4907-0002) und Teile als gesetzlich, geschütztes Biotop (Objektkennung: GB-4907-0015) ausgewiesen.

Die Locher Wiesen werden vom Locher Bach/Reusrather Bach durchflossen und grenzen an die Virneburgstraße, den Locher Weg und der Barbarastraße. Als Korridor zwischen stark bebauten Siedlungsteilen und dem ansonsten von Ackerflächen dominiertem Offenland kommt der Fläche eine wichtige Bedeutung in der Vernetzung von Lebensräumen der rheinischen Bucht und der angrenzenden Bergischen Heideterrasse zu, was bei einer Bebauung der Locher Wiesen nicht mehr gegeben wäre. Das Landesamt für Natur- und Umweltschutz hat das Schutzziel gesetzt, den Gründlandkomplex mit besonderem Schwerpunkt auf Nass- und Feuchtgründland zu erhalten und eine naturnahe Bachentwicklung zu fördern.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht sich als öffentlicher Träger mit seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2012 gegen den Bebauungsplan RE 54/Barbarastraße/Locher Weg aus.

Zu seinem Namen ist das Gebiet bedingt durch seine Lage gekommen. Schon in Kartierungen aus dem 19. Jahrhundert wurde vom sogenannten „Reusrather Loch“ gesprochen. Regenwasser aus den anliegenden, höher gelegenen Straßen und Feldbereichen (Ackerflächen Bereich Förderschule Virneburg, Bereich Friedhof St. Barbara, Dechant-Miebach-Weg und Locher Weg) läuft in die Locher Wiesen und das „Erdbeerfeld“ unterhalb des Friedhofs und sammelt sich dort.

Dies führt dazu, dass nach Starkregen oder länger anhaltenden Regenfällen weite Teile der Locher Wiesen, sowie der als Erdbeerfeld genutzte Bereich unterhalb des Friedhof der Pfarre St. Barbara mehrmals im Jahr durch ablaufendes Oberflächenwasser bis zu 50 cm unter Wasser stehen, Wohnräume/Keller im Bereich Virneburgstraße und Locher Weg unter Wasser setzen. Die lokale Presse hat über diese Ereignisse mehrmals in den letzten Jahren berichtet.

Auch der Locher Bach/Reusrather Bach tritt bei Starkregen innerhalb weniger Minuten immer wieder aus seinem Bachbett und überflutet größere Teile der Locher Wiesen, die damit eine wichtige Retentionsfläche für den Hochwasserschutz, speziell für die Anwohner der Virneburgstraße und des Locher Wegs darstellen. 

Mit einer Versiegelung dieser Retentionsflächen steigt die Gefahr an, dass sich diese Hochwasser- und Überflutungsereignisse in Zukunft mehren und sich das Wasser andere Wege suchen wird.

Dieser Sachverhalt wurde der Verwaltung und Politik mehrfach schriftlich sowie in persönlichen Gesprächen, u.a. direkt vor Ort (Herr Koesling, Herr Wupperfeld, Herr Braschoss – CDU) mitgeteilt und kann von den Anwohnern jederzeit eidesstattlich erklärt werden. Eine Stellungnahme der Anwohner hierzu liegt der Langenfelder Stadtverwaltung bereits vor.

Auch Langenfelds ehemaliger Bürgermeister Magnus Staehler hat auf einer Informationsveranstaltung des CDU Ortsvereins im November 2011 im Reusrather Schützensaal sinngemäß die Aussage getroffen, „die Pläne einer möglichen Bebauung der Locher Wiesen aus den bekannten Problemen tief und weit hinten in der Schublade gelassen zu haben“ und die Frage in den Raum gestellt, „Warum in einer solch sensiblen und problematischen Fläche gebaut werden muss!“

Ein hydrologisches Gutachten aus dem Jahr 2012 hat ergeben, dass Lehmschichten – fachsprachlich wird auch von Schluff gesprochen – mit einer Tiefe von 4,5 Meter bis zu 6,0 Meter im gesamten Bebauungsplanbereich ein Versickern des Oberflächenwassers verhindert. Das Wasser verbleibt anschließend über Wochen im Feld und verwandelt das Gelände in eine Art Seen- und Moorlandschaft.

Ich sehe es daher als Pflicht für die Stadt Langenfeld an, nicht nur Bauträger/Investoren vor Erwerb dieser Flächen über die Gegebenheiten vor Ort zu informieren, sondern auch jede, speziell ortsfremde Privatperson, die auf den Locher Wiesen Land oder Wohneinheiten erwerben möchte.

In dem Zusammenhang dürfen Sie gerne auf www.feuchtgebiet-locher-wiesen.de verweisen.

Ich lehne daher den Bebauungsplan RE 54 Barabarstraße/Locher Weg in der jetzigen Form ab. Eine Bebauung des ehemaligen Gärtnereigeländes im südlichen Teil des Plangebietes ist unkritisch zu sehen. Die Bebauung der Locher Wiesen sowie der Bereich „Erdbeerfeld“ unterhalb des Friedhof St. Barbara liegt im schon beschriebenen Überflutungs- und Stauwasserbereich und wird von mir abgelehnt.

Kommt es in Zukunft zu Wasser- und/oder Überflutungsschäden, die auf fehlerhafte Entwässerungsmaßnahmen (Kanalisation, Regenrückhaltebecken, Bachlauf, Versiegelung ect.) im Plangebiet zurückzuführen sind, halte ich die Stadt Langenfeld haftbar.

Sollte der aktuelle Bebauungsplan zum Tragen kommen, nehmen Sie bitte folgende Anregungen und Einwendungen in der Diskussion mit den politischen Gremien auf:

Regenrückhaltebecken Am Ohrenbusch

Das Regenrückhaltebecken Am Ohrenbusch ist zeitgleich mit Beginn der Baumaßnahmen auf den Locher Wiesen auf den heutigen Stand der Technik zu ertüchtigen, um den Schutz

der Anwohner vor Hochwasserereignissen/Überflutungen in den Anliegerstraßen (Virneburgstraße, Locher Weg) zu gewährleisten.

Regenversickerungsbecken Locher Wiesen

Das Becken ist so anzulegen, dass kein Schichtenwasser austreten und Anliegerkeller vernässen kann.

Das Becken ist so anzulegen, dass keinerlei Nachteile für das gesetzlich, geschützte Biotop entstehen. Beispielsweise dadurch, dass die Feuchtwiese durch Versiegelung von Freiflächen nicht mehr mit ausreichend Wasser versorgt werden kann.

Prüfen Sie die Möglichkeit das Becken naturnah anzulegen, so dass es sich in das gesetzlich, geschützte Biotop optisch einfügt, ggf. auch direkt miteinander vernetzt werden kann. Eine vergleichbare Lösung wurde in unmittelbarer Nähe zu Haus Graven gefunden, die ich persönlich für sehr gelungen halte.

Verkehrsführung:

Das Verkehrsgutachten bietet eine Möglichkeit an, den Locher Weg komplett für den Straßenverkehr zu öffnen. Vor ca. 20 Jahren haben Anwohner und CDU gemeinsam dafür gekämpft und die Lösung erreicht, den Locher Weg am Straßenende zur Virneburgstraße so zu schließen, dass er lediglich für Radfahrer und Fußgänger zu durchfahren/begehen ist. Hintergrund dieser Schließung war, dass der damals ca. 3 Meter breite Asphaltweg (der B-plan sieht jetzt eine deutlich breitere Straße vor!) verstärkt als Umgehung für den PKW-Verkehr von und nach Langenfeld/Leichlingen genutzt wurde und leider auch Unfälle mit Schulkindern zu verzeichnen waren.

In den Planvarianten die uns in den letzten zwei Jahren präsentiert wurden, war immer die Rede davon, dass der Locher Weg weiter für den Verkehr gesperrt bleibt. Dies wurde den Anwohnern in Gesprächen mit der Politik auch weiter in Aussicht gestellt und favorisiert. Von einer möglichen Öffnung war bis zu dem Bebauungsplan, der uns nun vorgestellt wurde, keine Rede!

Die jetzige Lösung hat in den letzten 20 Jahren ausschließlich Zustimmung innerhalb der Anwohnerschaft gefunden. Eine Öffnung würde zudem bedeuten, dass der gesamte Umgehungsverkehr den kompletten Locher Weg, also auch die neuen Anwohner des Plangebietes und die Alte Schulstraße entsprechend stark belasten würde, da der PKW-Verkehr sich überwiegend diesen Weg bedingt durch entsprechende Zeitersparnis suchen wird. Das Verkehrsgutachten geht davon aus, dass der Verkehr über die Virneburgstraße Richtung B8 abfließen wird. Dies wird erfahrungsgemäß aufgrund von langen und mehreren gesparten Ampelphasen aber nicht der Fall sein und hat in dem Verkehrsgutachten keine Berücksichtigung gefunden, was der zuständige Mitarbeiter kürzlich auf der Bürgerinformation im Ratssaal auch bestätigt hat. Ich sehe daher dieses Gutachten als nicht ausreichend und fehlerhaft an. Eine Öffnung des Locher Wegs stellt daher eine deutliche Verschlechterung gegenüber der jetzigen Situation für alle Beteiligten dar und macht daher keinen Sinn!

Ich schlage vor, die Schließung am jetzigen Standort zu belassen und den Verkehr über den Locher Weg Richtung Trompeter Straße abzuleiten. Ein weiterer Vorteil dieser Maßnahme wäre, dass keinerlei baulichen Aktivitäten im Bereich der Kreuzung Virneburgstraße/Locher Weg vorgenommen werden müßte. Eine Alternative ist die Sperrung des Locher Wegs kurz oberhalb der Einmündung der neu im Plangebiet entstehenden Straße „Am Kirchhof“. Damit würde der abfließende Verkehr aus dem Neubaugebiet geteilt und in nördlicher und südlicher Richtung abgeführt.

Für den gesamten Locher Weg im Bereich des Plangebiets sowie „Am Kirchhof“ ist eine Spielstraße zu favorisieren, da davon auszugehen ist, dass viele junge Familien mit Kindern zuziehen werden. Die Spielstraßen auf der Virneburgstraße, dem Iltis- und Dachsweg haben breite Zustimmung gefunden und dafür gesorgt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit in diesen Straßen gesenkt wurde. Allerdings nicht auf die geforderte Geschwindigkeit von ca. 10 km/h. Auch ist darüber nachzudenken, die Virneburgstraße ab dem Kreuzungsbereich Locher Weg bis zur Einmündung B8 Opladener Straße in einen Spielstraßenbereich zu wandeln. Z. Zeit befindet sich hier eine Tempo 30 Zone, die aber von einem Großteil der PKW-Fahrer mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit genutzt wird. Das würde auch die Unfallgefahr am Spielplatz, der sich sich in diesem Bereich befindet, sowie in der Spielstraße Virneburgstraße Richtung Am Ohrenbusch deutlich mindern.

Gebäudehöhe:

Die Wohnhäuser entlang der Virneburgstraße in Richtung „Erdbeerfeld“ haben eine Firsthöhe von 9,50 Meter. Ich lege daher Widerspruch gegen die geplante Firsthöhe von 12 Meter ein. Um ein einheitliches Bild in der Bebauung zu gewährleisten, sollte diese Höhe bei den Neubauten im Bereich Locher Weg und Alter Kichhof ebenfalls nicht überschritten werden, bzw. ist auf max. 10 Meter zu begrenzen, so wie dies bei einigen Häusern im Plangebiet bereits auch vorgesehen ist.

Kanalisation

In der Vergangenheit kam es nach Starkregenereignissen immer wieder vor, dass die vor Ort befindlichen, zu klein dimensionierten Regenkanäle die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnten und übergelaufen sind. Es ist sicherzustellen, dass mit der Erschließung des Gebietes dieser Mangel abgestellt und die Kanalisation auf zu erwartende Starkregenereignisse ausgelegt wird. In dem Zusammenhang ist auch zu prüfen, ob die Kanalisation im oberen Bereich des Locher Weges Richtung Trompeter Straße den Anforderung noch genügt. Es kommt immer wieder vor, dass Wassermassen über die Trompeter Straße, den Locher Weg bis hinunter zur Virneburgstraße laufen, wo sich das Wasser im Kreuzungsbereich sammelt und in eine „Seenplatte“ verwandelt. Das Bildmaterial unter www.feuchtgebiet-locher-wiesen.de belegen diesen Sachverhalt.

Freiflächen Locher Wiesen/Biotopbereich

Es ist sicherzustellen, dass während der Bauphase das gesetzlich, geschützte Biotop sowie die Freiflächen links und rechts entlang des Locher Bach/Reusrather Bach nicht durch Bautätigkeiten gestört oder zerstört werden und der bereits vorhandene Baumbestand entlang des Gewässers angetastet wird. Auch ist sicherzustellen, dass der Grundstückseigentümer seine Landflächen auf dem gesetzlich, geschützten Biotops so behandelt, wie es von der Unteren Landschaftsbehörde Mettmann gefordert wurde. In der Vergangenheit wurde dieser Biotopbereich mehrmals unsachgemäß bewirtschaftet. Zu häufiges Mähen, liegenlassen der Mahd und durchmulchen des Biotops schädigen diesen Bereich.

Friedhofgelände St. Barbara

Im Rahmen der geplanten Bebauung von Teilen des Friedhofgeländes St. Barbara entlang des Locher Wegs muss auch über die Erstellung von Parkplätzen für Friedhofsbenutzer nachgedacht werden.

Es ist ein unzumutbarer Zustand, dass bei Trauerfeiern Besucher-PKW in umliegenden Anliegerstraßen in bis zu 400 Meter Entfernung geparkt werden müssen. Wenn eine Parkplatzerstellung beispielsweise an Haus Graven in Langenfeld-Wiescheid entsteht, damit sich dort die Besucher nicht weiter als 50 Meter zur Lokalität bewegen müssen, dann muss auch hier Parkraum in direkter Nähe zum Friedhofgelände geschaffen werden. Ich werde es daher auch in Zukunft nicht mehr dulden, wenn Besucher ihre PKW in Zweierreihe oder im Grünstreifen auf der Virneburgstraße oder dem Locher Weg parken. Statt dieses Gelände mit Wohnraum zu belegen, sollte sich die Kirchengemeinde Gedanken bzgl. Parkraum machen! Zudem muss sich die Kirchengemeinde überlegen, wie man in Zukunft dem steigenden Bedarf an Grabstätten nachkommen möchte. Reusrath soll auch in Zukunft wachsen, gestorben wird weiterhin und mit den geburtenstarken Jahrgängen wird auch der Platzbedarf an Grabflächen wachsen. Es wird in Zukunft nicht ausschliesslich platzsparende Urnenbestattungen geben. Erst vor wenigen Jahren wurde der Friedhofbereich zum Locher Weg mit entsprechenden Aufwand hin erweitert. Jetzt stellt man plötzlich fest, dass der Friedhof überdimensioniert ist und gibt genau diese Flächen zur Bebauung frei!

Man gewinnt gerade bei der geplanten Bebauung des Friedhofgeländes den Eindruck, dass hier ein Ausgleich für wegfallende Baufläche im Biotopbereich geschaffen werden soll, um das gesamte Projekt Locher Wiesen für mögliche Käufer wieder ein wenig schmackhafter zu machen, nachdem sich lt. Aussage der Stadtverwaltung interessierte Investoren von dem Projekt verabschiedet haben.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Menzel

Der BUND (Bund Umwelt Naturschutz Deutschland) äussert sich zu dem Bebauungsplan wie folgt:

zu o.g. B-Planverfahren haben wir die folgenden Anmerkungen:
Als positiv zu bewerten ist sicherlich die Tatsache, dass das kartierte, gesetzlich geschützte Biotop (§ 30 BNatschG/62 LG) erhalten und der Locher Bach im Rahmen der Entwicklung des Baugebiets naturnah gestaltet werden soll.
Erfreulich ist ebenfalls, dass durch Beratung und Verträge auf eine effiziente Wärme- und Energieversorgung hingewirkt werden soll.
Verschiedene Schutzgüter werden allerdings durch das Vorhaben beeinträchtigt.
Durch die Bebauung kommt es zum Lebensraumverlust für bestimmte Tier- und Pflanzenarten. Im Plangebiet kommen zwar keine nach §44 BNatSchG besonders und streng geschützten Arten vor, jedoch wurden im Reusrather Bach der Dreistachelige Stichling, Köcherfliegenlarven und Bachflohkrebse als erwähnenswerte Arten kartiert. Zudem nutzen z.B. Mäusebussard, Waldkauz und Turmfalke (besonders schützenswert) das Gebiet zum Jagen. Das Brutvorkommen von Kleinspechten in den Gehölzen ist sehr wahrscheinlich; ebenso dass der Kiebitz als einer von verschiedenen Zugvogelarten auf den Feuchtwiesen rastet. Bei den Säugetieren ist insbesondere für die Population der Haselmaus das strukturelle Potential durch den Flächenzusammenhang gegeben. Die Flora betreffend sind die Zweizeilige Segge, sowie das Sumpf-Weidenröschen für das Gebiet hervorzuheben (Finke und Partner, Artenschutzprüfung 2012).
Vor Baubeginn sollte eine fachmännische Begehung stattfinden, um bestimmte Arten tatsächlich ausschließen zu können.
Für den Bereich des Baches und des geschützten Biotops unterstützen wir den Vorschlag des Gutachters, diese durch einen vollständigen Zaun gegen Störungen besser zu schützen, sowie die intensive Mahd einzustellen und durch eine dem Naturschutzangepasste Mahd zu ersetzen (Finke und Partner, Artenschutzprüfung 2012, S. 8, 16).
Gemäß BBodSchG, §2 sind die Bodenfunktionen zu schützen. Hierzu gehört u.a. die Funktion des Bodens im Naturhaushalt – als Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen – sowie als Speicher- Filter- und Pufferfunktion hinsichtlich des Grundwassers. Zwar ist das Plangebiet als „anthropogen überprägt“ beschrieben, die Daten aus der aktuellen Geländeaufnahme weisen allerdings nur an 1-2 Stellen Auffüllungen in Form von umgelagerten Bodenmaterial auf (Baugrundgutachten Müller 7.5.12, Pkt. 2.2). Es ist demnach davon auszugehen, dass die erst genannten Funktionen auf der Fläche weitestgehend erhalten sind.
Um dies im Rahmen des Vorhabens beizubehalten, ist anzustreben den Anteil versiegelter Flächen möglichst gering zu halten. Hier könnten beispielsweise wasserdurchlässige Rasengittersteine in Parkbuchten eingesetzt werden oder aber auch die Verkleinerung des Baugebiets in Erwägung gezogen werden.
Denn grundsätzlich sehen wir die alternativen Planungsmöglichkeiten als nicht ausreichend an. Die Variante, das Baugebiet zu verkleinern und beispielsweise nur am Südrand zu entwickeln wurde nicht dargestellt. Hier könnten beispielsweise der Bereich der ehemaligen Gärtnerei zu Geschosswohnungen für Senioren gestaltet werden. Die verbliebene Grünfläche würde im naturnahen Zustand verbleiben und könnte ggf. über Spazierwege für die Bevölkerung erschlossen werden.
In diesem Zusammenhang ist es zudem fraglich, ob der Bedarf an neuem Wohnraum für junge Familien gegeben ist. Denn die Vorausbrechungen der Bevölkerungsentwicklung für Langenfeld zeigt keine Wachstum sondern Stillstand. Die Anzahl der über 80 jährigen hingegen wird sich bis 2030 wohl verdoppeln (Gemeindemodellrechnung 2011 bis 2030, IT NRW, 22.04.13). Letzteres spricht daher ebenfalls für einen vorwiegenden Bedarf an Seniorenwohnungen.
Auch der Bach ist anthropogen überprägt. Zurzeit ist die Bachsohle nur teilweise in einem natürlichen Zustand (Finke und Partner, Artenschutzprüfung 2012, S. 9). Eventuell vorhandener Sohl- und Uferverbau ist unseres Erachtens zurückzubauen, Bachbettkorrekturen sind zu vermeiden. Gemäß der Begründung zum B-Plan ist eine naturnahe Ausgestaltung vorgesehen, die u.a. im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden soll (bsp. 10m-Schutzstreifen um den Bach). Ergänzend dazu sollte die Entwicklung der in Ansätzen vorhandenen Auendynamik weiter berücksichtigt und beobachtet werden. Beispielsweise können durch Aufweitung des Gerinnes, der Einbau von Totholz oder die Anlage von neuen Uferstrukturen die Eigenentwicklung weiter gefördert werden. Ein Ausreichender Abstand zur Wohnbebauung sollte grundsätzlich eingehalten werden, um mögliche Verunreinigungen (z.B. Düngung, Pestizide aus den Gärten) zu vermeiden.

Die Wiederaufforstung des Wäldchens die Regelung im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme für die bauliche Inanspruchnahme wird befürwortet. Hier sollte auf die Auswahl von standorttypischen Baumarten wie z.B. Bruch-, Salweiden oder Stieleichen geachtet werden. Auch könnten Nisthilfen z.B. für den Turmfalken wieder eingerichtet werden.

Durch hydrogeologische Besonderheiten im Untergrund (Schluff-Schichten mit geringer Wasserdurchlässigkeit, unterschiedliche Ausprägung von Festgesteinshorizont und Terrasse) ist mit bereichsweise hohen Grundwasserständen zu rechnen (Bodengutachten S. 9). Insbesondere nach Starkregenereignissen oder länger andauerndem Regen führt dies aufgrund des Gefälles zu Überschwemmungen der Locher Wiesen (vgl. http://www.feuchtgebiet-locher-wiesen.de). Auch der Locher Weg inkl. der angrenzenden Wohnhäuser kann von den temporären Überschwemmungsereignissen betroffen sein. Es handelt sich eindeutig um eine Überschwemmungsfläche im Sinne der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie und ist der Bezirksregierung Düsseldorf gemeldet.
Nach unseren Kenntnissen ist die Ableitung der Wassermassen bei Starkregenereignissen bisher nicht im Detail geklärt – insbesondere die Einzugsbereiche und die Anbindung an das neue Regenrückhaltebecken.

Das Kompensationskonzept wird zurzeit erarbeitet und soll abschließend mit den zuständigen Fachbehörden abgestimmt werden. Wünschenswerte Kompensationsmaßnahmen sind unserer Meinung nach z.B.:
–    Entfernung von Versiegelungen
–    Umwandlung in Dauergrünland
–    Extensivierung von Ackerstandorten
–    Wiedervernässung ehemals grundwasservernässter Standorte
–    Bodenlockerung bei verdichteten Standorten

Wir empfehlen dringend, bzgl. der Ausgleichsmaßnahmen einen Monitoringplan zu erstellen, der eine zielgerichtete Realisierung sicherstellt und überprüfbare Kriterien und Garantien beinhaltet.

Wir geben zu bedenken, dass durch die bestehende Verbindung zwischen der Rheinterrasse und dem angrenzenden Wald bei Reusrath / Leichlingen eine Frischluftschneise besteht, deren Effekt durch die Bebauung entfallen würde.

Wir lehnen daher und aufgrund der vorgenannten Argumente die Bebauung der Locher Wiesen ab!

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